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Ein alter Refrain, eines gekannten Punktes im Zeitrahmen,
eines ungewissen,
überkommenden,
melodischen Überfalls.
Ich habe meine Hände seit Wochen in der Höhe,
halb ergeben,
halb und voll Rausch.
Das intensivste Gefühl sind unsere kondensierenden Köpfe
und ich,
mitten, oben,
mit den Händen in der Höhe,
drinnen.
Was für eine radikale Ergebung, denke ich,
und schieße meine Gedanken in den Wind.
Das ist ein halb, voll Rausch,
eine halbe Flucht,
vor einem melodischen Überfall,
ein halbes Ergeben,
ein radikales Ausbrechen,
mit den Händen in der Höhe.
Morgen wage ich vielleicht noch einmal hoch zu sehen,
und erblicke,
nebelstrunken,
eine kleine Reflexion,
deiner verkopften Verkapslungen.
Wer weiß, vielleicht Morgen. 

Annika Lykke Haller

 
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Dunkle Augen ziehen mich an. Die Idiotie dahinter im
Schatten, naiv blickte ich in dessen Tiefe. All die Trauer
gekleidet im Nichts, dem Bedeutungslosen, dass ihn nichts
kümmert. Und wie ich da war, ging mir meine, die einzig faire
Liebe, in Farben auf. Ich überwand das Nichts, das was ihn
nicht berührt werden lassen konnte. In all der tiefen
Dunkelheit erkannte ich die Reflektion meiner Strahlung in
den Augen des Idiotischen. Noch prächtiger hatte mein
Schein nie gewirkt. Jeder Lichtstrahl, der in ihn eintraf, galt
meinem überragenden Licht.
Ich leuchtete, ich blendete, ich liebte.
Und so konnte mir ein Niemand, und niemals ein anderer,
erklären, was ich alles zu sein vermochte.
Also blieb ich und ich blieb in trübem Licht. 

Annika Lykke Haller

 
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Eine Uhr, zwei Stunden, drei Hoffnungen später, ich denke an
ein Verzagen, zuvor, drei Tage früher, nicht jetzt, nicht hier,
ohne dich.
Zerrissen vor gestern, vorvorgestern, ein Montag, sechzehn
Stunden, drei Liebesbriefe später. Einen Kuss, bevor dem
Monat im Sommer, ein Stöhnen danach, drei leere
Unendlichkeiten und vier Stunden eben vor genau dieser
Abstinenz, genau vor der Suche, nach meinen Rufen...
Drei Meter weiter zu dir, in viel Hoffnung erreicht;
Den Kampf danach, den Satz darauf, eine Berührung und zwei
Blicke später. Nach unserer Fremde, vor dem Wiedersehen,
im Kennenlernen, als Gedankenfluss, nach hundert Stunden,
stillen Nächten, Tränen wie Flüssen, Krämpfe wie Bisse,
Kämpfe mit mir, krampfhafte Gedanken.
Nach einer Rechnung, nach dem Warten, deiner Antwort,
einer Dauer zuvor, eine Ausdauer. 

Annika Lykke Haller

 
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Sinneslust,
nichts von all dem,
reine Schönheit,
Linien und Flächen,
Ideal, ja klassisch,
noch schöner,
immer noch,
Vorwand,
Erwecken, Erotik,
Meditation, ein Vorwand,
Gefühle,
nichts von all dem,
keine Erzählung,
nichts,
will nichts,
nichts als sich, das selbst,
existier nicht, außen,
rein,
reine Schönheit,
äußere Präzision,
eine Gestaltung,
bloß sachlicher Realismus,
genau dessen Gegenteil,
Deformation,
Verdammt,
Natur,
erotischer Purismus. 

Annika Lykke Haller

 
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Heute wie Übermorgen, schweige ich in meine tiefste
Euphorie. Eine beklemmende, behämmernde Einsamkeit. Als
würden alle erlernten Sprachen sich in mir bekriegen.
Schreiendes römisch. Ich sitze vernetzt Zuhause. Meine
Explosion will niemand spüren. Ich weile allein, werde
getaktet durch Missstände.
Niemand weiß die Zeit, und jede Sprache schreit sich
zusammen. Ein paar Quadratmeter für Exzentrik. Wie einem
Schmetterling pustet der Winter mir die Entfaltung vom Leib.
Und ich warte auf Übermorgen, in brüllender Euphorie, als
wollte jede Sprache gehört werden. Und ich sperre meine
junge Ader in den Missständen der Zeit ein. 

Annika Lykke Haller

 
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An die pompöse Brust eines Bilderbuches liege ich gepresst.
Ernähre mich von dem Saft aus Zeitschriften. Kleine Pflanzen
sind jeher getrocknet, dass ich suchte und die Reise fand.
Was mich formen wird, kommt als Essen serviert oder
vielleicht mit dem Bus gefahren. Was mich entscheiden wird,
ist, unter anderem, die Erkenntnis der nächsten Seite. So
gebe ich mich der maßlosen Pracht des Lebens hin, verwende
Wörter, wie „Ergötzung“ und sauge aus albernen Zitzen die
Inspiration heraus.

Annika Lykke Haller

 
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Du hast mich erwischt,
danach habe ich mich gesehnt;
du spürst, was ich vermute.
Ich werde immer noch beobachtet,
versuche dich damit zu erreichen.
Ich spüre deine Blicke;
Jede Zuckung ist dir gewidmet.
Du fragst, aber ich weiß nicht, was du hören willst.
Also zittere ich leicht, um nichts von dir zu verlieren.
Du verpasst mich!
Du kannst mich nicht hören!
Also entführe ich dich, in das, mir Fremde,
das was zu mir schweigt;
Und ich kann dir darüber nichts erzählen,
weil ich nichts davon weiß.
Aber vielleicht wird es dich fangen,
vielleicht sogar,
dass du bei mir bleibst. 

Annika Lykke Haller